• HopfenBierGut

    Interaktiv und lebendig – das Museum mit Verkostung.

36 Meter lang, 13 Meter breit, 20 Meter hoch

Das Kornhaus ist das stattlichste und originellste profane Gebäude der Stadt, ja der gesamten Region.

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Das Fachwerk und die Innenkonstruktion sind imposant. Ein „gar mächtiger Wald" sei zum Bau nötig gewesen, schreibt ein Chronist.

Im 14./15. Jahrhundert erbauten Eichstätter Bischöfe um die Stadt Mauern und Befestigungsanlagen, wodurch Spalt 1450 bei einer Belagerung durch Nürnberger Landsknechte schlimmeres von sich abhalten konnte. 1456/1457 wurde aufgrund der Dankeserwartung für die gelungene Fürsorge der Zehentstadel der Fürstbischöfe von Eichstätt (den Landesherren der Stadt) errichtet.

Ursprünglich war der Kornkasten ein kompletter Fachwerkbau mit drei auskragenden Geschossen mit steilem Satteldach und drei Speichergeschossen und den Spitzboden. Um 1790 ersetzten Sandsteinwände die Fachwerkkonstruktion im Erdgeschoss und an den Giebelseiten.Seit 1862 als Hopfenlager im Besitz der Stadt, wurde es von 1897 bis 1984 auch als Hopfensignierhalle genutzt.

Die Stadt Spalt entschloss sich nun, diesem etwa 560 Jahre alte Kornkasten und ehrwürdigen Gebäude wieder eine Funktion zu geben.

Die Instandsetzung des Baudenkmals

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  • Beginn der Baumaßnahme im Frühjahr 2009: Ende April 2009 wurde das Gerüst aufgestellt und mit den Dachdecker- und Zimmer­arbeiten gestartet. Bei weiteren Untersuchungen an der Dacheindeckung, die erhalten werden sollte, hatte sich gezeigt, dass Frost- und Kantenschäden aufgrund unsachgemäßer Verlegung eine Erneuerung der Dacheindeckung notwendig machte. Um die Anschlüsse an die Schleppgauben ordnungsgemäss auszuführen, blieb nichts anderes übrig, auch diese auszudecken und zu erneuern.
     
  • Im Bereich der Sandsteinfassadenflächen wurden entsprechend den Angaben des Tragwerksplaners Risse verpresst und Vernadelungen eingebaut. Das mittlere Tor auf der Nordseite wurde auf die ursprüngliche Bogenöffnung mit Sandsteinrahmung zurückgebaut, Fugenmörtelergänzungen und Vierungen schadhafter Sockelquader ausgeführt.
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  • Nach dem Winter wurde am Turm weitergearbeitet, bis Mai 2012 war die Sichtbetonfassade des Turmes soweit fertig gestellt, dass die Linit-Verglasung eingebaut werden konnte, die aus vorgespannten U-Glasschalen über 6,50 m Höhe ohne Unterkonstruktion frei trägt. 
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  • Aufgrund geänderter brandschutztechnischer Auflagen mussten die Bodenaufbauten vom 1. Obergeschoss bis zum 1. Dachgeschoss des Kornhauses geändert werden: Auf die verbleidenden, historischen Bodendielen wurden eine 19 mm dicke Spanplatte, darauf eine Schüttung aus speziellem Schiefersplitt, darauf trittfeste Steinwolleplatten, darauf eine 38 mm dicke Spanplatte und als Belag neue Bodendielen verlegt. Als Bodenbelag in den Museumgeschossen 1.OG und 2. OG wählte man massive Holzdielen in  unterschiedlichen Breiten, zur Vorwegnahme der späteren, natürlichen Patinierung entschloss man sich , den Schutzanstrich mit Harttrockenöl leicht grau zu pigmentieren. 
  • In Gebäudemitte befand sich zuletzt ein Lastenaufzug, der vom Erdgeschoss bis ins 2. Dachgeschoss reichte und für den in der ersten Hälfte des 20 Jh. die Deckenbalken abgeschnitten worden waren. Während in den Dachgeschossen die betroffenen Balken nun wieder ergänzt wurden, nutzte man diesen Substanzeingriff, die geforderte Treppe für den zweiten Flucht- und Rettungsweg dort einzubauen. Vorgeschrieben war, diese Treppe vom Erdgeschoss bis zum 2. Obergeschoss feuerhemmend einzuhausen. Zur Vermeidung optischer Beeinträchtigungen der hallenartigen Geschosse entschloss man sich für eine transparente F-30-Verglasung, die zwar kostenintensiv war, aber diesem Anspruch Rechnung trug. Aufwendig waren vor allem die unzähligen Anschlüsse an schräg verlaufende Kopfbänder und ungleichmäßige Balkenoberflächen. Intensive Detailüberlegungen und Einzelabwägungen bis hin zum Verzicht auf Tragprofile für die Glasstöße führten zu einem konsequent transparenten Ergebnis, ohne Substanzeingriffe.
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  • Auch die F-30 Türen zwischen Kornhaus und neuem Treppenturm fügen sich harmonisch und substanzbezogen in die jeweilige örtliche Situation ein. Anstelle der bisherigen, qualitativ unbefriedigenden Holztore entschied man sich für neue Holztüren, die umlaufend von einer Stahl-Glaskonstruktion gerahmt werden. Die neuen Elemente sind hinter den Sandsteinbogen des späten 19. Jahrhunderts zurückgesetzt und dienen zum einen der natürlichen Belichtung und zum anderen als Fluchtwegstüren.
  • Bei dem Gestaltungskonzept für die Innenflächen wurde zu Beginn der Maßnahme festgelegt, die bestehenden Fassungen  mit Grüntönen im gealterten, abgenutzten Zustand zu erhalten und nur behutsam zu reinigen. Im Erdgschoss auf den Sandsteinwänden wurde eine Kalkputzschlämme aufgebracht. Hölzer wurden nur gereinigt, Neuteile farbig eingestimmt. In den Obergeschossen beschränkte man sich auf eine ausschließliche Reinigung der Oberflächen mit nur kleinen Retuschen in stark geschädigten Bereichen. Ab April 2013 konnte der Kirchenmaler nach Fertigstellung der F30-Wände mit seinen Reinigungsarbeiten beginnen und seine Arbeiten im Oktober fertig stellen. Die durch Alterungs- und Ge­brauchsspuren gewachsene Oberfläche bietet jetzt für die geplante museale Nutzung einen hervorragenden Hintergrund und auch räumlich einen würdevollen Rahmen für die zu­künftigen Exponate.
  • Ab Juli 2013 fanden dann erste gemeinsame Absprachen und Detailfestlegungen mit den beauftragten Innenausstattern und Museumsplanern statt. In dieser Zeit hat sich der Bauherr nun endgültig für einen Bodenbelag im Erdgeschoss festge­legt. Anstelle des bisherigen Plattenbelages sollten jetzt ein eingefärbter Nutzestrich eingebaut werden. Grund hierfür waren neben den Kosten auch die Pflege und der zu erwartende hohe Verschmutzungsgrad der Sandsteinplatten. Nach der Ausschreibung des neuen Bodenbelages erfolgte die Vergabe, so dass der Einbau kurz vor Weihnachten 2013 begonnen und Ende Januar 2014 fertig gestellt werden konnte.

Historisches „Graffito“

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Bei Befunduntersuchungen im Jahre 1998 wäh­rend der Bestands- und Gefügeuntersuchungen ent­deckte der baubegleitende Restaurator Male­reibe­funde im 1. OG. Zum Zeitpunkt des damals nur relativ klein ange­legten Befundfensters  lies sich noch nicht erah­nen, dass es sich um eine figürliche Malerei, die einen lebensgroßen Soldaten zeigt, handeln würde.

2014 entschied man sich im Zuge der Innenaus­stattung diesen Befund komplett freizulegen: Man erkennt bei genauer Betrachung die Umrisse eines Kopfes samt Gesicht im Seitenprofil als fe­schen Soldaten in Uniform und Mütze. Vermutlich von einem Leien mit teils flottem Pinselstrich ge­malt.

Der Malereibefund liegt eindeutig auf dem spätmittelalterlichen Putz, vermutlich auf der Zweitfassung in der Zeit nach 1790 zu Zeiten des napoleonischen oder französischen Krieges. Berichte über Einquartierung und Durchmärsche von Soldaten fanden sich in der Chronik der Stadt Schwabach,  was diese Vermutung bestätigt.

 

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